Erste Hilfe für Reiter: Was tun im Notfall?

Reiten ist und bleibt eine der gefährlichsten Sportarten. Dabei bringen nicht nur rasante Disziplinen wie Springen oder Vielseitigkeit ein hohes Unfallrisiko mit sich: Stürze können auch passieren, wenn das sonst so vertrauenswürdige Verlasspferd sich spontan auf einem gemütlichen Ausritt erschreckt und durchgeht – eine Situation, die jedem von uns passieren könnte.


Damit ihr im Notfall wisst, was zu tun ist, haben wir einige Tipps für euch zusammengestellt, die einen Erste Hilfe-Kurs zwar bei weitem nicht ersetzen, euch aber zumindest einen groben Überblick darüber geben können, wie ihr einem verletzten Mitreiter helfen könnt:

WIE VERHALTE ICH MICH, WENN MEIN MITREITER IM GELÄNDE STÜRZT?

  • Sofort anhalten und sich um den gestürzten Mitreiter kümmern (Ansprechen/anfassen und überprüfen, ob die Person bei Bewusstsein ist)
  • Nach Hilfe rufen, um evtl. in der Nähe befindliche Spaziergänger, Jogger o.Ä. auf sich aufmerksam zu machen, die zur Hilfe kommen können
  • Lebenszeichen überprüfen: Hebt und senkt sich der Brustkorb? Gibt es Atemgeräusche? Hustet oder bewegt sich die verletzte Person?
  • Ist der Reiter nicht ansprechbar, wie folgt vorgehen:

 

Bei normaler Atmung: Den Verletzten in die stabile Seitenlage bringen, damit die Atemwege frei bleiben und ein Ersticken verhindert wird, danach Notruf absetzen

Atmet der Verunfallte nicht: Notruf absetzen, anschließend Herz-Lungen-Wiederbelebung, bis der Notarzt eingetroffen ist oder die Person wieder von selbst beginnt zu atmen.

  • Den Verletzten beobachten, beruhigen und trösten, bis der Rettungsdienst eingetroffen ist

Grundsätzlich gilt: Erst wenn alle verletzten Reiter versorgt wurden, werden die Pferde eingefangen!

WIE SETZT MAN EINEN NOTRUF AB?

Im Notfall gilt: Ruhe bewahren und schnellstmöglich den Rettungsdienst/Notarzt anrufen! (Die Euronotrufnummer 112 ist kostenfrei und bundes- und europaweit gültig)

Wichtige Fragen:

  • Wo ist der Unfall geschehen? (Möglichst genaue Ortsangabe bzw. Wegbeschreibung)
  • Was ist passiert?
  • Wie viele Verletzte gibt es?
  • Welche Verletzungen liegen vor?
  • Warten auf Rückfragen – nicht selbst auflegen! Der Disponent in der Rettungsleitstelle nimmt dabei z.B. auch eure Daten (Name und Telefonnummer) auf.

 

Übrigens: Es ist nicht schlimm, wenn ihr etwas vergessen habt. Der Disponent fragt ggf. Nach und gibt euch über das Telefon Anleitung und Unterstützung.

Hat sich der Unfall in der Nähe einer vielbefahrenen Straße oder Bahnstrecke ereignet, sollte unbedingt auch die Polizei informiert werden, damit weitere Unfälle durch die freilaufenden Pferde verhindert werden können!

LEBENSRETTENDE SOFORTMASSNAHMEN

Aufgrund des hohen Unfallrisikos ist es gerade für uns Reiter wichtig, dass wir regelmäßig – im Idealfall alle 1-2 Jahre – an Erste Hilfe-Kursen teilnehmen. Diese können z.B. beim Deutschen Roten Kreuz, den Maltesern, Johannitern oder dem ASB absolviert werden. Dabei lernt man nicht nur die lebensrettenden Sofortmaßnahmen , sondern erfährt auch, was bei Schock, Knochenbrüchen & Co. zutun ist. Vor allem stabile Seitenlage und Herz-Lungen-Wiederbelebung sollten im Notfall sitzen und müssen daher richtig erlernt und regelmäßig geübt werden.

ALLGEMEINE SICHERHEITSTIPPS

Unsere Hinweise ersetzen keinen Erste-Hilfe-Kurs! Um so gut wie möglich helfen zu können, empfehlen wir daher jedem, sich in Erster Hilfe ausbilden zu lassen und seine Kenntnisse regelmäßig aufzufrischen!

  • Immer das Handy mitnehmen und wenn möglich im Stall Bescheid geben, wenn man ins Gelände geht – vor allem, wenn man allein unterwegs ist
  • Einen Reithelm und ggf. eine Sicherheitsweste tragen!
  • Gut sichtbare Kleidung hilft dabei, einen Verletzten, der z.B. im hohen Gras liegt, schneller zu finden.
  • Personalausweis und (sofern vorhanden) Blutspendeausweis mitführen! (Vielseitigkeitsreiter sind bei internationalen Turnieren übrigens verpflichtet, eine Medical Card bei sich zu tragen, in der Blutgruppe, Vorerkrankungen und weitere medizinisch relevante Informationen angegeben werden müssen)
  • Es schadet nie, eine Erste-Hilfe-Tasche mitzunehmen. Diese sollte jedoch nicht am Pferd, sondern besser als Bauchtasche am Körper getragen werden.
  • Achtet darauf, euch selbst mit Handschuhen o.Ä. vor einer Erkrankung durch fremde Körperflüssigkeiten zu schützen.

 

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Geschrieben von Jule

Pferde sind schon immer ein fester Bestandteil in Jules Leben - seit ihrem 11. Lebensjahr (also gut 17 Jahre) reitet sie nun regelmäßig. Von der klassischen Dressur über Western hat sie ihren Weg zur Working Equitation gefunden und bildet ihren 6-jährigen Westfalen-Wallach Bruno selbst aus. Seit 2015 ist sie bei Krämer für die Pflege des Online-Shops verantwortlich. Außerdem teilt sie in unserem Blog regelmäßig interessante und hilfreiche Tipps rund um den Pferdesport mit euch!

3 Gedanken zu „Erste Hilfe für Reiter: Was tun im Notfall?

  1. Hallo,
    ein sehr wichtiger und ausführlicher Artikel!
    Ich predige schon lange, dass man im Reitsport Erste Hilfe Kurse quasi verpflichten sollte. Es ist enorm wichitig in sochen Situationen richtig reagieren zu können!

    Liebe Grüße
    Gabi

  2. Hallo, wir suchen einen Ausbildungsträger, der Erste-Hilfe-Kurse für den Reitsport anbietet!

  3. Hallo,

    mittlerweile bieten z.B. das DRK oder der ASB in vielen Regionen ein- oder sogar mehrtägige Erste-Hilfe-Kurse speziell für Reiter an.

    Auch die VFD (Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland e.V.) informiert regelmäßig über stattfindende Erste-Hilfe-Kurse für Reiter.

    Viele Grüße,

    Jule

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