Pferdeerziehung – Probleme und Lösungen

Pferdeerziehung - Reiterin führt Pferd

Eine gute Erziehung ist in einer vertrauensvollen und harmonischen Partnerschaft zwischen Pferd und Mensch einfach unerlässlich – nicht zuletzt, weil es auch um unsere eigene Sicherheit geht, denn mit unerzogenen 600 Kilo Pferd ist absolut nicht zu spaßen. Aus diesem Grunde sollten wir für unser Pferd – aber auch für uns selbst – einige Regeln festlegen, damit wir eine enge und sichere Beziehung aufbauen und vor allem auch langfristig bewahren können.

Jedes Pferd muss diese Benimmregeln so früh wie nur möglich kennen lernen. Die Erziehung sollte also idealerweise bereits im Fohlenalter beginnen, denn dabei werden wichtige Grundsteine für das zukünftige Miteinander von Mensch und Pferd gelegt: Das junge Pferd lernt Berührungen am ganzen Körper zuzulassen, das Anlegen eines Halfters zu akzeptieren, sich führen zu lassen und brav die Hufe zu geben. Wird diese Grunderziehung vernachlässigt, steht der Pferdebesitzer oftmals vor einer großen Herausforderung, denn er muss dem bereits älteren Pferd konsequent, freundlich aber doch bestimmt beibringen, was von ihm erwartet wird.

WAS DARF MEIN PFERD, WAS DARF ES NICHT?

Was ein Pferd darf und was es nicht darf muss jeder Pferdebesitzer für sich selbst entscheiden. Wichtig dabei ist nur, dass er sich dann auch konsequent daran hält. Wie sonst soll das Pferd wissen, dass es etwas zu unterlassen hat, wenn sein „Führungsmensch“ an einem Tag entscheidet, dass Fressen während des Spaziergangs vollkommen in Ordnung ist, es aber am nächsten Tag beim Versuch einige Grashalme zu erwischen deutlich zurechtgewiesen wird.

WELCHE BENIMMREGELN SOLLTE MEIN PFERD BEHERRSCHEN?

Hufe auskratzenDas Pferd sollte:

  • sich problemlos mit gesenktem Kopf aufhalftern lassen
  • sich anstandslos führen lassen, dabei ausreichend Abstand zum Menschen halten und sich seiner Laufgeschwindigkeit anpassen
    sich einfangen lassen
  • beim Anbinden, Putzen, Satteln und Aufsitzen ruhig stehen bleiben
  • sich problemlos an jeder Körperstelle anfassen lassen und brav die Hufe geben (sehr wichtig bei Tierarzt- und Hufschmiedterminen!)
  • aufmerksam auf den Menschen achten

KONSEQUENZ UND KLARE REGELN – AUCH FÜR DEN ZWEIBEINER

Auch für uns Menschen gibt es Regeln, an die wir uns halten sollten: Wir müssen konsequent reagieren, unerwünschtes Verhalten freundlich aber bestimmt und wohldosiert korrigieren und die richtigen Reaktionen ausgiebig loben. Das allein erfordert ein gutes Timing, Einfühlungsvermögen und viel Übung. Außerdem ist es wichtig, den Charakter und die Bedürfnisse des Pferdes wahrzunehmen und zu achten. Nicht jedes Pferd zum Beispiel mag es, permanent gekrault zu werden, und wird uns durch seine Reaktion entsprechend zeigen, dass ihm dies unangenehm ist. Hier sollten wir Rücksicht nehmen und uns an die Regeln halten, die uns das Pferd auferlegt.

Wenn es mal nicht so klappen sollte wie erhofft, sollten wir uns immer wieder daran erinnern, dass weder wir, noch unsere Pferde Maschinen sind, die per Knopfdruck funktionieren und immer perfekt reagieren. Wir können zwar Regeln festlegen, doch es wird immer wieder Situationen geben, in denen wir vielleicht nicht so reagieren, wie wir eigentlich sollten. Dies ist aber noch lange kein Weltuntergang, solange wir uns vornehmen, immer an uns zu arbeiten und bemüht sind, so konsequent und fair wie nur möglich zu sein.

HÄUFIGE PROBLEME UND LÖSUNGSANSÄTZE

    • Überholen beim Führen

Im Idealfall geht das Pferd am durchhängenden Führstrick neben den Menschen her und passt sich dessen Tempo an. Nicht das Pferd bestimmt also die Geschwindigkeit und den Weg, sondern einzig und allein der Mensch. Versucht das Pferd zu überholen, schicken wir es wieder zurück und loben es, wenn es in der gewünschten Position bleibt. Gegebenenfalls können wir uns eine Gerte zur Hilfe nehmen, die als optische Begrenzung nach vorne dient.

    • Pferd putzenNicht berühren lassen

Viele Pferde haben Stellen, an denen sie sich nicht gerne berühren lassen. Schnappt der Vierbeiner jedoch bei Berührung sogar nach dem Menschen, sollte der Tierarzt zunächst ausschließen, ob das Pferd evtl. Schmerzen hat, die zu einer derart heftigen Reaktion führen. Ist dies abgeklärt, sollte man das Pferd langsam und vorsichtig an die Berührung gewöhnen, indem man sich langsam über „unproblematische“ Körperstellen vorarbeitet und das Pferd entsprechend lobt.

    • Am Menschen schubbern

Zunächst freut man sich vielleicht darüber, dass das liebe Pferd „schmusen“ möchte und seinen Kopf am Menschen reibt – bis es beginnt, weh zu tun… Hier muss konsequent dafür gesorgt werden, dass das Pferd lernt, einen gewissen Abstand zu akzeptieren. Auch hier gilt: Die erwünschte Reaktion, in diesem Falle das Ruhighalten des Kopfes, wird belohnt, das Scheuern jedoch höflich aber konsequent korrigiert, indem wir den Kopf des Pferdes wegschieben. Als „Kompromiss“ kann man das Pferd stattdessen an der juckenden Stelle kratzen, wenn es ruhig stehen bleibt.

    • AufsteigenNicht stillstehen

Ein Pferd, das beim Aufsteigen nicht ruhig stehen bleibt, kann seinen Reiter schnell in eine gefährliche Situation bringen. Zunächst sollte man auch hier abklären, ob das Pferd evtl. Schmerzen hat, zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen oder durch einen unpassenden Sattel oder das falsche Gebiss. Ist dies nicht der Fall, kann man in kleinen Schritten vorgehen: Das Pferd wird zunächst gelobt, wenn es neben dem Menschen ruhig stehen bleibt. Anschließend steigert man die Schwierigkeit, indem der Reiter seinen Fuß im Steigbügel platziert, sich vom Boden abstößt und schließlich vorsichtig in den Sattel schwingt. Auch hier gilt: Jede noch so kleine richtige Reaktion wird belohnt!

 

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Geschrieben von Jule

Pferde sind schon immer ein fester Bestandteil in Jules Leben - seit ihrem 11. Lebensjahr (also gut 17 Jahre) reitet sie nun regelmäßig. Von der klassischen Dressur über Western hat sie ihren Weg zur Working Equitation gefunden und bildet ihren 6-jährigen Westfalen-Wallach Bruno selbst aus. Seit 2015 ist sie bei Krämer für die Pflege des Online-Shops verantwortlich. Außerdem teilt sie in unserem Blog regelmäßig interessante und hilfreiche Tipps rund um den Pferdesport mit euch!

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