Reitunterricht: Wie finde ich einen guten Reitstall?

Pferd & Reiterin in Reithalle

Ich kann mich noch sehr genau an meine erste Reitstunde erinnern. Mit den ersten Reitversuchen verknüpfe ich eigentlich nur positive Erlebnisse, dank meiner einfühlsamen Reitlehrerin, Pumuckl, dem liebsten Schulpony der Welt und einer hilfsbereiten und offenen Stallgemeinschaft. Meine ersten Eindrücke vom Reitsport waren somit überwiegend positiv und ich denke, dass ich genau deshalb so lange bei meinem Hobby und bei der Liebe zu Pferden geblieben bin. Nur wer sich im Reitunterricht von Anfang an gut aufgehoben fühlt, wird auch langfristig Spaß am Reiten haben. Von mir gibt es deshalb wichtige Tipps, die ihr bei der Suche nach einem geeigneten Reitstall beachten solltet!

Auf der Suche nach einem Reitstall oder Reitverein hilft es, sich über das Internet einen ersten Überblick zu verschaffen. Die Webseiten der Reitvereine sind mittlerweile sehr gut gepflegt, idealerweise bekommt man durch Bilder auf der Seite schon einmal einen ersten Einblick in den Stall und die restliche Anlage. Teilweise werden auch die Schulpferde in liebevollen Porträts vorgestellt. Vor der ersten Reitstunde sollte man sich jedoch unbedingt auch einen Live-Eindruck vom Stall, dem Unterricht und den Schulpferden machen und persönlich vorbeischauen.

Wie gut ist der Stall erreichbar?

Der Weg zum Reitstall sollte gut zu bewältigen sein. Das hängt natürlich auch erst einmal von der Art der verfügbaren Fortbewegungsmittel ab. Ist man auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, spielen Anbindungen und Haltestellen in der Nähe des Stalls eine große Rolle. Fahrradfahrer müssen in einem kleineren Radius nach Reitställen suchen als Personen, denen ein Auto zur Verfügung steht und die dadurch mobiler sind.

Sauberkeit Reitstall
Sauberkeit sollte im Stall oberste Priorität haben!

Die Stallanlage

Der Zustand der Stallanlage sagt schon viel über die Art und Weise aus, wie der Reiterhof geführt wird. Man sollte erkennen können, dass Sauberkeit und Ordnung zu den wichtigsten Tugenden im Stall gehören. Ist die Stallgasse gefegt? Sind die Boxen sauber gemistet? Wie sieht es mit der Ordnung in der Sattelkammer aus? Sind Sattel- und Zaumzeug gepflegt?

Pferdehaltung

Das Pferd ist nicht nur ein reines Sportgerät, es ist ein Lebewesen mit individuellen Bedürfnissen, die bei der Pferdehaltung durch die Stallbesitzer oder den Reitverein berücksichtigt werden sollten. Es versteht sich von selbst, dass ein Pferd in einer kleinen und dunklen Box ohne jeglichen Kontakt zu Artgenossen nicht glücklich wird. In einer kleinen und dunklen Wohnung ohne Tageslicht würden wir uns schließlich auch nicht wohl fühlen, oder? Bei Boxenhaltung sollte auf große, helle und saubere Räumlichkeiten geachtet werden. Abwechslung und Kontakt zu den Artgenossen sollte durch regelmäßigen und ausgiebigen Weidegang geboten werden. Pferde in Offenstall- oder Aktivstallhaltung können ihren Tagesablauf und ihren Aufenthaltsort selbst bestimmen. Grundsätzlich sollte man darauf achten, dass die Stallinhaber den Tieren genügend Futter, frisches Wasser (!) und ausreichend Bewegungsmöglichkeiten mit Kontakt zu ihren Artgenossen zur Verfügung stellen.

Gesundheitszustand der Pferde

Haflinger
Wichtigstes Kriterium für einen guten Reitstall: gesunde, glückliche und artgerecht gehaltene Pferde

Auch wenn man (noch) kein Pferdeflüsterer ist, mit gesundem Menschenverstand erkennt jeder, ob es einem Tier gut oder schlecht geht. Beim ersten Stallbesuch könnt ihr auf folgende Punkte bei den Pferden achten:

  • glänzendes Fell
  • aufgeweckter Blick
  • Körperbau nicht zu mager, nicht zu dick
  • gesunde Hufe
  • gepflegtes Gesamtbild

Auch der psychische Gesundheitszustand ist bei Pferden wichtig. Sind die Pferde verhaltensauffällig (z.B. Koppen oder Weben)? Verhalten Sie sich aggressiv gegenüber Menschen oder ihren Artgenossen?

Ein gutes Schulpferd sollte einen gutmütigen Charakter haben, sich unter dem Sattel aber auch beim Führen oder Putzen brav verhalten und stets aufmerksam sein. Schulpferde müssen auch mit Anfängern gut auskommen, viel Geduld und die Fähigkeit auch mal einen „Anfängerfehler“ zu verzeihen, steht deshalb an erster Stelle.

Der Reitlehrer

Vor der ersten Reitstunde solltet ihr mindestens einmal als Zuschauer beim Reitunterricht dabei gewesen sein. Neben einem braven Schulpferd muss schließlich auch die Chemie zwischen Reitschüler und Reitlehrer stimmen. Beobachtet den Unterricht aufmerksam und achtet auch darauf, wie der Reitlehrer problematische Situationen löst. Wie ist der Umgangston zu den Reitschülern? Wie werden die Aufgaben erklärt? Geht der Reitlehrer auf die Fragen der Reitschüler ein? Ein guter Reitlehrer ist nicht nur während der Reitstunde für Reitschüler und Schulpferde da, sondern auch davor und danach. Kümmert er sich um Anfänger, die vielleicht noch nicht so fit sind, wenn es ums Satteln oder Aufzäumen geht? Überprüft er vor der Reitstunde, ob die Ausrüstung richtig sitzt und nach der Reitstunde, ob die Schulpferde ordentlich versorgt wurden?

Der Unterricht

Jeder Lehrer gestaltet seinen Unterricht individuell. Für Anfänger ist das Abteilungsreiten ein guter Einstieg, um die Hufschlagfiguren zu verinnerlichen und sich mehr auf sich selbst konzentrieren zu können. Viele Reitlehrer gehen, wenn die Grundlagen stimmen, zu einer freien Unterrichtsgestaltung über. Wichtig ist – sowohl beim Abteilungsreiten als auch beim freien Training – die Anzahl der Reitschüler, denn je mehr Reitschüler in einer Halle sind, desto weniger kann sich der Reitlehrer auf die einzelnen Schüler konzentrieren. Gerade bei Anfängergruppen kann es Freundschaft im Reitstallbei einer großen Schülergruppe schnell chaotisch werden.

Der Wohlfühlfaktor

Ein gemeinsames Hobby verbindet die Menschen. Doch manchmal passt es auf menschlicher Ebene trotz der gemeinsamen Leidenschaft nicht. Wenn ihr das erste Mal im Stall seid oder an einer Probereitstunde teilnehmt, solltet ihr unbedingt darauf achten, wie das Klima unter den Reitschülern ist. Helfen sich die Schüler gegenseitig oder stehen eher Zickereien und Lästereien an der Tagesordnung? Wichtig ist, dass man sich rundum wohlfühlt und auch einen guten Anschluss findet, denn es gibt doch schließlich nichts Schöneres als sein Hobby mit gleichgesinnten Freunden zu teilen.

 

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Geschrieben von Jule

Pferde sind schon immer ein fester Bestandteil in Jules Leben - seit ihrem 11. Lebensjahr (also gut 17 Jahre) reitet sie nun regelmäßig. Von der klassischen Dressur über Western hat sie ihren Weg zur Working Equitation gefunden und bildet ihren 6-jährigen Westfalen-Wallach Bruno selbst aus. Seit 2015 ist sie bei Krämer für die Pflege des Online-Shops verantwortlich. Außerdem teilt sie in unserem Blog regelmäßig interessante und hilfreiche Tipps rund um den Pferdesport mit euch!

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