Teil 1: Das richtige Gebiss finden

Das richtige Gebiss für sein Pferd zu finden, ist eine Wissenschaft für sich: Die Auswahl ist nahezu grenzenlos und genauso vielfältig wie die „Geschmäcker“ unserer Pferde sind die angebotenen Arten, Materialien und Mundstücke. Bei der Wahl des richtigen Gebisses gibt es viele Faktoren, die beachtet werden sollten, damit eine sanfte Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul hergestellt werden kann.

DIE RICHTIGE PASSFORM

Entscheidend für die korrekte Passform eines Gebisses ist vor allem die Auswahl der richtigen Gebissstärke und Länge.

Früher wurden oftmals sehr dicke Gebisse mit einer Stärke von bis zu 23 mm verwendet, da diese aufgrund der breiten Auflagefläche im Pferdemaul als besonders weich und daher gut für Reitanfänger und junge Pferde geeignet galten. Erst vor einigen Jahren wurde durch Untersuchungen bekannt, wie wenig Platz tatsächlich im Pferdemaul besteht. Seitdem stellt sich allmählich ein Umdenken ein: Es werden vermehrt Gebisse mit Stärken zwischen 14 und 18 mm angeboten, die vor allem für Pferde mit kleineren Mäulern besser geeignet sind als dicke Mundstücke.

Da jedes Pferd unterschiedlich ist, lässt sich also nicht pauschal sagen, dass dünnere Gebisse automatisch schärfer wirken als dickere und umgekehrt – zudem kommt es immer auf die Reiterhand an, die natürlich stets so leicht wie nur möglich einwirken sollte.

Die korrekte Gebisslänge lässt sich einfach mit Hilfe eines Gebissweitenmessers ermitteln. Man sollte jedoch bedenken, dass die richtige Länge unter anderem auch von der Art des Gebisses abhängig ist. So sollten Stangengebisse 0,5 cm kürzer als gebrochene Gebisse und Unterlegtrensen 0,5 bis 1 cm größer als das Kandarengebiss gewählt werden.

MUNDSTÜCKE

Grundsätzlich lässt sich zwischen gebrochenen und ungebrochenen Gebissen unterscheiden.

 

Einfach gebrochenes Gebiss
Am Beispiel der Olivenkopftrense Anatomica von Qualcraft

Einfach gebrochene Gebisse wie zum Beispiel die klassische Wassertrense stellen die beliebteste und häufigste Gebissform dar. Leider bringen einfach gebrochene Gebisse je nach Form des Mundstücks einen großen Nachteil mit sich. Bei zu langen, geraden Gebissschenkeln kann es zum schmerzhaften Nussknackereffekt kommen: Das Gebiss quetscht  bei starker Zügeleinwirkung den Unterkiefer ein, während sich das einfach gebrochene Mundstück in den Pferdegaumen bohren kann. Durch eine anatomisch gebogene Form, wie sie bei unseren Gebissen umgesetzt wird, kann dieser Effekt abgeschwächt werden.

 

GOLD MEDAL Wassertrense Anatomica
Am Beispiel der GOLD MEDAL Wassertrense Anatomica

 

Bei doppelt gebrochenen Gebissen, die zwei Gelenke und ein olivenförmiges oder flaches Mittelstück besitzen, wird der Nussknackereffekt ebenfalls abgemildert, da sich diese Mundstücke besser an die Form des Pferdemauls anpassen können. Sie gelten als mild in der Wirkung und werden daher gerne bei der Ausbildung junger Pferde verwendet, woher auch der Ausdruck „Remontentrense“ stammt.

 

 

Stangengebiss
Am Beispiel der APPLE MOUTH Stange, gewellt

Stangengebisse besitzen ein durchgängiges, ungebrochenes Mundstück. Daher entfällt bei dieser Gebissart der Nussknackereffekt. Dennoch sind Stangen für junge Pferde und Reitanfänger ungeeignet, da präzise, einseitige Zügelhilfen nicht möglich sind und die Einwirkung vorwiegend über Gewichts- und Schenkelhilfen stattfindet.

 

 

GEBISSFORMEN

Wassertrense
Am Beispiel der Wassertrense von SILK STEEL

Das am häufigsten genutzte Gebiss ist die Wassertrense, die an beiden Seiten des Mundstückes frei drehbare Ringe besitzt. Sie kann vielseitig eingesetzt werden und wird von den meisten Pferden gut akzeptiert. Aufgrund der beweglichen Ringe besteht jedoch die Möglichkeit, dass die Maulwinkel des Pferdes eingeklemmt werden oder sich aufgrund voranschreitender Abnutzung scharfe Grate an den Löchern im Mundstück bilden können. Gebissscheiben aus Gummi können dabei helfen, Verletzungen zu vermeiden und lassen sich leicht nachträglich anbringen.

 

Olivenkopftrensen
Am Beispiel der Olivenkopftrense von SILK STEEL

Olivenkopftrensen besitzen an beiden Seiten des Mundstücks eine Verlängerung; an diesen Verlängerungen ist das Gebiss mit den ovalen bzw. D-förmigen Ringen verbunden. Anders als bei Wassertrensen lassen sich die Ringe lediglich nach vorne und hinten bewegen. Die besondere Form verhindert ein Einklemmen der Maulwinkel und sorgt für eine stabile Lage im Pferdemaul. Ein weiterer Vorteil der Olivenkopftrense ist die leicht seitwärts weisende Wirkung, was vor allem jungen Pferden das Verstehen der Zügelhilfen erleichtert.

 

 

B350281
Am Beispiel der Dynamic RS Unterlegtrense D-Ring von SPRENGER

D-Ring-Trensen verhindern ebenfalls ein Einklemmen der Maulwinkel. Durch die Ringform wird ein Durchziehen des Gebisses verhindert, außerdem haben D-Ring-Trensen – genau wie die Olivenkopf- und Knebeltrensen – eine seitwärts weisende Wirkung.

 

 

 

 

Schenkeltrense
Am Beispiel der Schenkeltrense Anatomica von Qualcraft

Schenkel- bzw. Knebeltrensen besitzen an den Enden des Mundstücks einen langen Stab, der ein Durchziehen des Gebisses und Einklemmen der empfindlichen Maulwinkel verhindert. Sie liegen ruhig im Pferdemaul und wirken ähnlich wie D-Ring- und Olivenkopftrensen.

 

 

 

Snaffle Bit
Am Beispiel des Golden Snaffle Bit von STONEDEEK

 

Westernreiter verwenden als Gegenstück zur Wassertrense das so genannte Snaffle Bit, das mit bis zu 14 mm Stärke in der Regel etwas dünner als gewöhnliche Wassertrensen ist und sowohl O- als auch D-Ringe in unterschiedlichen Formen aufweisen kann.

 

 

 

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Geschrieben von Jule

Pferde sind schon immer ein fester Bestandteil in Jules Leben - seit ihrem 11. Lebensjahr (also gut 17 Jahre) reitet sie nun regelmäßig. Von der klassischen Dressur über Western hat sie ihren Weg zur Working Equitation gefunden und bildet ihren 6-jährigen Westfalen-Wallach Bruno selbst aus. Seit 2015 ist sie bei Krämer für die Pflege des Online-Shops verantwortlich. Außerdem teilt sie in unserem Blog regelmäßig interessante und hilfreiche Tipps rund um den Pferdesport mit euch!

5 Gedanken zu „Teil 1: Das richtige Gebiss finden

  1. Wollte auf einen Fehler drauf hin weißen : „Da jedes Pferd unterschiedlich ist, lässt sich also nicht pauschal sagen, dass dünnere Gebisse automatisch schärfer wirken als dünnere und umgekehrt“

    Als dickere sollte da wahrscheinlich hin, hoffe ich hab mich nicht verlesen
    Übrigens finde ich den Krämer-Blog echt super -> Gute Idee!

  2. Interessanterweise wird hier immer der „Nussknackereffekt bei der einfach gebrochenen Trense hervorgehoben. Dazu gibt es mittlerweile sehr viele Studien die diesen Effekt widerlegen. Dazu gibt es auch in vielen Reiterzeitschriften informative Aussagen – Mythos Nussknackereffekt!!!. Etwas ungenaue Aussagen in dem Blog, führen meines Erachtens nur zu Verunsicherungen. Es gibt gerade in dem Bereich der Gebisse viele neue Erkentnisse. Diese fehlen mir hier

  3. Ich habe einen Trackener/Oldenburger Mix mit starkem vorwärts drang. 6 Jahre alt.
    Welches Gebiss würdet ihr empfehlen. Ich möchte nicht immer hart auf ihn einwirken , beim zurücknehmen. Im Augenblick haben wir eine normales Wassertrensengebiss einmal gebrochen.
    Vielleicht könnt ihr mir zu etwas anderem Raten.

  4. Hallo Otto,

    Ferndiagnosen sind in dieser Hinsicht eher schwierig, da ich weder den Ausbildungsstand des Pferdes noch des Reiters beurteilen kann. Wir empfehlen grundsätzlich, eine erfahrene Person zu befragen, die Reiter und Pferd gut kennt und einzuschätzen weiß. Ich würde an deiner Stelle deine/n Reitlehrer/in befragen. Bestimmt kann er/sie dir kompetent weiterhelfen.

    Viele Grüße, Jule

  5. Kann mir hier jemand sagen ob es eine fa. gibt die professionelle Lehrgänge über die Passform und Auswirkung von Gebisstücken anbietet?

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