Wann ist mein Pferd glücklich?

Pferde Herde

Unseren Pferden möchten wir doch immer nur das Beste geben, sie sollen alles haben, was sie sich nur wünschen können – sie sollen glücklich sein.
Aber wann ist mein Pferd eigentlich glücklich?

Sollten wir ihnen immer alles geben und immer alles erlauben, was sie gerne möchten?

Grundlegend gibt es drei Dinge, die ein Pferd dringend benötigt, damit es ihm gut geht.
Es braucht ausreichend Platz, um sich frei und bedürfnisgerecht bewegen zu können, es bedarf Sozialkontakte zu anderen Pferden und braucht ausreichend raufaserreiches Futter, sprich Heu oder Stroh, um seine Verdauung intakt zu halten. Pferde leben unter natürlichen Bedingungen in weitläufigen Steppenlandschaften, wo sie überall etwas zu fressen finden und sich im Herdenverbund mit ihren Artgenossen frei und selbstbestimmt bewegen können.

Dieser Artikel konzentriert sich auf diesen natürlichen Herdentrieb und die Beziehung von Mensch und Pferd im Training sowie in anderen Situationen.

Das Leben in Herden bietet den Pferden einen besseren Schutz vor Raubtieren und erleichtert die Arterhaltung durch natürliche Fortpflanzung. Eine Leitstute führt die Herde an, während ein oder mehrere Hengste die Herde beschützen. Diese Leitstute hat somit die größte Verantwortung zu tragen und muss sich ständig als würdige Anführerin zeigen, um ihre Position zu behalten. Sie muss jederzeit nach Gefahren durch Raubtiere Ausschau halten, die Jungpferde erziehen und herausfinden, wo die Herde Futter und Wasser finden kann. Mit dieser Führungsposition geht folglich eine gewisse Last an Verantwortung einher; kann man aber sagen, dass dieses leitende Pferd glücklicher ist, als die anderen? Meiner Meinung nach ist das nicht so. Natürlich gibt es auch Pferde, die eher dominant sind und ständig testen, wie viel Kontrolle sie übernehmen können, aber meiner Erfahrung nach sind Pferde sehr froh, wenn jemand anderes für sie die Anführerschaft und damit auch die Verantwortung übernimmt.

Ganz gleich ob man mit einem dominanten oder ängstlichen Pferd arbeitet, in beiden Fällen zeigen sich die selben Veränderungen, wenn man ihnen eindeutige Grenzen aufzeigt.

Ein einfaches Beispiel ist das Führen eines Pferdes.

Wenn das Pferd immer dort hin gehen kann, wo es hin möchte, und wir ihm einfach folgen, trifft es eigenständige Entscheidungen, bekommt aber auch das Gefühl, selbst Verantwortung übernehmen zu müssen. Dadurch muss es achtsamer sein, um keine Gefahr zu übersehen, da es nun für die Sicherheit der Herde verantwortlich ist. Folglich beginnt das Pferd sich verstärkt umzuschauen, mehr auf seine Umgebung zu achten und erschrickt plötzlich vor Dingen, die ihm eigentlich bekannt sind oder geht sogar durch und rennt davon.

Jetzt müssen wir wieder die Anführerschaft übernehmen indem wir ein paar einfache Übungen durchführen, wie abwechselnd vorwärts und rückwärts zu gehen und dadurch erneut die Kontrolle zu übernehmen. Somit muss sich das Pferd vermehrt auf uns konzentrieren und beginnt sich zu beruhigen sowie Verantwortung abzugeben.
In der Sprache der Pferde kann das ranghohe Pferd das rangniedere kontrollieren. Wenn man neben seinem Pferd steht und es beschließt los zu laufen und wir ihm einfach folgen, dann kontrolliert es uns. Die konsequente Lösung für diese Situation wäre, einfach stehen zu bleiben und das Pferd am Führstick zu uns zurück zu holen. Wir müssen in der Lage sein das Pferd zu bewegen, nicht anders herum! Diese Konstellation muss in jeder Situation gegegen sein um Eskalationen zu vermeiden. Denn wenn ein Pferd bereits in seiner Box die Kontrolle übernimmt, dann wird es das auch tun, wenn Sie auf seinem Rücken sitzen. Es wird so lange die Kontrolle behalten, bis Sie eindeutige und konsequente Regeln aufstellen und durchsetzen.

Ein weiteres Beispiel ist das stehen bleiben während des äppelns. Wird es dem Pferd Zuhause erlaubt darf man sich nicht beschweren, wenn es dies auch mitten in einer Prüfung auf dem Turnier tut. Es ist viel verständlicher für das Pferd, wenn jederzeit die gleichen Regeln herrschen.

Meiner Meinung nach sind Pferde am glücklichsten, wenn sie einen verantwortungsvollen Anführer haben. Es ist gut für sie, wenn sie wissen, dass wir gut auf sie aufpassen, und sie sich selbst keine Sorgen machen müssen.

Um das zu erreichen müssen Sie folgende Grundregeln beachten:

  1. Bleiben Sie immer fair
  2. Setzen Sie klare Regeln
  3. Setzten Sie die Regeln in jeder Situation konsequent durch

Wenn Sie sich noch weiter informieren wollen, besuchen Sie www.luukteunissen.com. Ich bin spezialisiert auf das Training von Jung- und Problempferden und gebe Kurse in meinem Trainingszentrum in Wallrabenstein. Kommen Sie doch einfach mal vorbei!

 

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Geschrieben von Luuk Teunissen

Bereits seit frühester Kindheit sitzt Luuk auf dem Rücken der Pferde; seit seinem 8. Lebensjahr nimmt er auch erfolgreich an Turnieren im Dressur - und Springsport teil. Seit mehreren Jahren arbeitet er in den Niederlanden und in Deutschland als Pferdetrainer und ist spezialisiert auf das Training von Problem-/Trauma Pferden und Anreiten/Starten von Jungpferden.

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