Pferdeweiden – diese Basics sind wichtig

Für das Lauftier Pferd gehört täglicher Auslauf zum Wohlbefinden dazu und ist sogar tierschutzrechtlich vorgeschrieben. Am besten dafür eignen sich weitläufige Weiden, auf der die Pferde spielen, toben, aber auch fressen können. Durch ihr tierartspezifisches Verhalten werden hohe Ansprüche an eine gute Pferdeweide gestellt, denen man nur mittels intensiver Pflege gerecht werden kann.

Auch wenn es zu den Pflichten eines Stallbetreibers gehört, die Qualität der Weideflächen aufrecht zu erhalten, ist nichts dagegen einzuwenden, wenn auch Pferdebesitzer über grundsätzliche Koppelpflege Bescheid wissen.

Pferd steht bei Sonnenaufgang auf einer Wiese

Was ist eine Pferdeweide?

Grundsätzlich ist eine Pferdeweide eine Grünfläche, die Pferden Futter in Form von Gräsern und Kräutern liefert. In unserer modernen Pferdehaltung sind diese Grünflächen eingezäunt.

Oftmals wird der Begriff der Pferdekoppel mit dem der Pferdeweide gleichgesetzt, obwohl es sich hierbei um zwei unterschiedliche Formen handelt. Eine Koppel ist eine eingezäunte Weidefläche, die wiederum in größere und kleinere Parteien unterteilt werden kann. Somit können Pferde voneinander räumlich getrennt oder die Schonung von bestimmten Weideflächen erreicht werden.

Was macht eine Pferdeweide so besonders?

Eine Pferdeweide muss mehreren Anforderungen gerecht werden, die sich von der Haltung anderer Weidetiere unterscheidet. Eine Weide für Pferde muss sowohl Futter liefern, als auch dem ausgeprägten großen Bewegungs- und Spieldrang der Pferde standhalten.

  • Kotverhalten der Pferde: Pferde koten immer auf dieselben Stellen und fressen anschließend diese Stellen nicht ab. Es entstehen Geilstellen, die sich bei nicht Beseitigung ausbreiten und die Futterfläche verringern. Daher müssen Pferdeweiden regelmäßig abgeäppelt und abgemulcht werden.
  • Pferde fressen selektiv: Pferde sind sehr wählerische Fresser und lassen daher unschmackhafte Gräser und Kräuter stehen, die sich bei schlechter Weidepflege weiterverbreiten.
Pferd steht auf einer abgefressenen Koppel mit Holzzaun

  • Pferde haben Rangordnungen: In einem Pferdegruppengefüge müssen die rangniedrigen Pferde den ranghohen Pferden weichen. Zudem können auch Rangkämpfe ausgetragen werden, die die Pferde zum fluchtartigen Herumrennen veranlassen. Daher müssen Weiden am besten langgezogen konzipiert sein und frei von spitzen Winkeln sein, damit kein rangniedriges Pferd in die Ecke getrieben wird.
  • Pferde verbeißen tief: Pferde verbeißen Gräser sehr bodennah, was das Gras stresst und zur gesundheitsschädlichen Giftbildung führt. Pferdeweiden müssen daher am besten bei einer minimalen Stoppelhöhe von 5 cm umgetrieben werden.
  • Pferdegruppengröße hat Auswirkung auf Beweidung: Überbeweidung (viele Pferde, wenig Futter) führt durch zu tiefen Verbiss zu Stress der Gräser und damit zu Giftstoffen, die mit einer an die Fläche angepassten Pferdezahl verhindert werden kann. Bei einer Unterbeweidung (zu viel Fläche bei zu wenig Pferden) haben unliebsame Pflanzen die Möglichkeit, sich zu stark auszubreiten. Die Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltung empfehlen eine Auslauffläche für 2 Pferde mit 150 m², für jedes weitere Pferd zusätzliche 40 m².

Welche Arten von Pferdeweiden gibt es?

Zur korrekten Pflege der Weideflächen und Erhalt der Grasnarbe und des Futterangebots, gehört ein geregelter Koppelumtrieb. Damit verschafft man den Flächen die nötige Ruhezeit, um sich von Verbiss und Trittschäden zu erholen. Es gibt dabei verschiedene Arten von Weidehaltungen:

  • Standweide: Die Pferde werden während der ganzen Weidesaison auf einer Fläche gehalten und nicht auf eine andere umgetrieben. Dafür muss die Weidefläche groß genug sein, damit die Grasnarbe sich regenerieren kann.
  • Portionsweide: Die Futterzuteilung auf der Gesamtfläche erfolgt täglich portionsweise. Dadurch fressen die Pferde die Fläche gleichmäßig ab und ein übermäßiges Selektieren wird verhindert.
  • Umtriebsweide/Koppelweide: Die Gesamtfläche wird in kleinere Parzellen unterteilt und je nach Futterangebot werden die Pferde umgetrieben. Das hat den Vorteil, dass sich die abgeweideten Flächen erholen können.
  • Auslaufweide: Bei der Auslaufweide steht die Bewegung vor der Futteraufnahme.
  • Winterweide: Pferde haben im Winter die Möglichkeit, auf die Weide zu kommen.
  • Mähweide: Mähweiden dienen sowohl der Abweidung als auch der Heugewinnung.

Die richtige Grundausstattung für eine Pferdeweide

Pferde müssen fest, sicher und an ihre Größe angepasst eingezäunt werden. Dabei müssen die arttypischen Verhaltensweisen des Pferdes als Fluchttier und die Besonderheiten in seinem Sehvermögen berücksichtigt werden, damit der Zaun ausbruchsicher ist.

Die Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten empfehlen eine Zaunhöhe von > 0,75 x Widerristhöhe der eingezäunten Pferde. Der Zaun sollte stabil und für das Pferd gut identifizierbar sein. Gut sichtbar sind Holzlattenzäune, Metallrohre und Elektrozäune mit farbiger Litze oder weißem Breitband.

Reiner Stacheldraht oder Schafnetze sind nicht ausbruchsicher und zudem tierschutzwidrig.

Zum Errichten einer Umzäunung sind folgende Materialien notwendig:

Solarbetriebenes Weidezaungerät

Mobile Zaunsysteme für Turnierpferde und Wanderreitpferde

Wer zu Großteilen der Weidesaison auf Turnierplätzen heimisch ist oder mit seinem Pferd ausgedehnte Tagestouren unternimmt, muss sich über die Unterkunft des Pferdes Gedanken machen. Nicht immer steht eine Box zur Verfügung und das Pferd im Anhänger belassen, trägt auch nicht zu seiner Erholung bei. Mobile Zaunsets oder mobile Paddocks scheinen hierfür die Lösung zu sein.

Zur Mindestausstattung gehören:

  • vier Zaunpfähle; am besten Kunststoffpfähle zum Beispiel mit Steigbügeltritt

Bei der Auswahl der Zaunpfähle ist die Höhe des Zauns an die Widerristhöhe des Pferdes anzupassen. Verwende mindestens zwei Litzen oder Breitbänder, um die Umzäunung weitestgehend ausbruchsicher zu gestalten. Bedenke, dass, wenn du dein Pferd eventuell über Nacht auf dem Paddock belassen möchtest, dass du entsprechend mehr Pfähle und Litzen verwendest und besonders die Eckpfähle gut sicherst.

Gesetzliche Richtlinien für Weidezäune – was ist zu beachten?

Einfach einen Zaun aufstellen und ein paar Pferde auf die Koppel lassen – das ist weder im Sinne des Gesetzgebers, noch ist dadurch eine Ausbruchssicherheit der Pferde gegeben. Damit du sowohl deine Pferde auf der Weide vor äußerlichen Einflüssen schützt, als sie auch an einem Ausbruch hindern kannst, gibt es neben den Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen ein paar Richtlinien zu beachten.

Die gesetzlichen Vorschriften sind im Verband der Elektrotechnik VDE 0667, VDE 0131 und der DIN EN 60335-2-76 festgehalten. Wir haben für dich hier die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  • Ein Elektrozaun muss als solcher gekennzeichnet werden: alle 50 m muss ein Warnschild mit Text und Bild auf elektrische Spannung hinweisen. Hänge die Schilder am besten dort auf, wo kein Elektrozaun vermutet wird, an jedem Tor und jedem öffentlichen Zugang
  • ein Weidezaun darf immer nur von einem Weidezaungerät versorgt werden
  • das Weidezaungerät muss mittels Erdstab geerdet werden, der einen Mindestabstand von 10 m zu anderen Erdungssystemen einhalten muss
  • zwischen zwei Elektrozäunen mit unterschiedlichen Weidezaungeräten müssen mindestens 3 m Abstand eingehalten werden
  • der Elektrozaun darf keine elektrische Gefahr für weder Pferde, noch Menschen und Tiere der Umgebung darstellen, weshalb ein Stacheldraht nicht als elektrischer Zaun verwendet werden darf
Weidezaungerät

Wie viel Volt sollte ein Weidezaun haben?

Damit ein Zaun hütesicher ist, bedarf es einer Mindestspannung von 2.500 Volt, bei Pferden mit dickem Fell sind 4.000 Volt angebracht. Der Graswuchs und die Zaunlänge haben hierbei Einfluss auf die Spannung. Damit der Weidezaun seine größtmögliche Leistung erbringen kann, ist der Zaun regelmäßig frei zu schneiden und brüchige Abschnitte zu ersetzen. Auch viel geflickte Litze kann die Leistung massiv herabsetzen.

Wie hoch sollte ein Weidezaun sein?

Die Leitlinien der Pferdehaltung der FN empfehlen eine Zaunhöhe von 0,75 x Widerristhöhe der eingezäunten Pferde. Gehe dabei vom größten Pferd aus. Je nach Höhe des Zauns werden 2 bis 3 Litzen oder Bänder benötigt, um eine gut sichtbare Barriere zu schaffen. Die Position der Drähte ist hierbei stark von der Pferdegröße abhängig. Bei Ponys muss das untere Band natürlicher tiefer angesetzt werden, als beispielsweise bei einem Deutschen Sportpferd.

verschiedene Weidezaunpfähle

Wer haftet bei Schäden, die durch Ausbrechen der Pferde entstanden sind?

Im Bürgerlichen Gesetzbuch ist festgehalten, wer für Schäden haftet, die an Menschen oder Gegenständen entstehen, sollte ein Pferd ausgebrochen sein.

Ein beruflicher Tierhalter (Landwirt, Stallbetreiber) haftet nur bei eigenem Verschulden, wenn er seine Pflichten verletzt. Das heißt, kontrolliert er täglich die Zäune auf Ausbruchssicherheit, schließt er die Tore und ist der Zaun funktionstüchtig und stabil gebaut, haftet er für die Schäden nicht.

Bist du allerdings ein nicht-beruflicher Pferdehalter (Pensionspferdehalter, Hobby-Reiter), haftest du generell für alle auftretenden Schäden, die dein Pferd verursacht.

Es ist daher mehr als zu empfehlen, stets wachsam zu sein und beim nächsten Gang zur Koppel selbst ein Auge auf die Zäune zu haben, um eventuelle Mängel dem Stallbetreiber unverzüglich zu melden. Regelmäßige Kontrolle kann viel Leid ersparen.