Welches Trensenzubehör gibt es?

Eine Trense ist nicht vollständig ohne Trensenzubehör. Einiges Zubehör, wie zum Beispiel Zügel und Stirnriemen gehören zur Grundausstattung eines Trensenzaums und sollten definitiv mit angeschafft werden. Jedes weitere Teil kann für verschiedene Zwecke nützlich sein oder dient lediglich als das gewisse Extra. Hierbei solltest du immer die Anforderungen und Bedürfnisse deines Pferdes im Blick haben, denn jedes Extra kann unter Umständen hinderlich und kontraproduktiv wirken. Wir stellen dir hier Trensenzubehör vor – vom Stirnriemen über Hilfszügel und Vorderzeug hin zu Genick- und Nasenschoner.

Aufgehängte Trensen und Reithalfter

Ohne Zügel kein Trensenzaum

Zügel gehören selbstverständlich zum Trensenzaum dazu. Hierbei gibt es eine Vielzahl an Zügelarten, die größtenteils von den persönlichen Präferenzen abhängen. Haptik, Flexibilität, Material, Breite und Länge des Zügels spielen eine wesentliche Rolle. Der Reiter muss sich mit dem Zügel wohlfühlen, um feine und präzise Hilfen geben zu können, ohne sich Blasen in den Fingerzwischenräumen zu reiben.

Es gibt aus Zügel aus Leder, Gurtmaterial, Kunstleder oder Baumwolle, wie auch mit Gummi- oder Silikonnoppen für einen besseren Halt. Lederstege helfen Reitanfängern, ein Gefühl für die Länge der Zügel zu entwickeln, damit das Nachfassen auf beiden Seiten gleichmäßig erfolgt. Auch rutschen dadurch die Zügel nicht so schnell durch die Finger. Viele Zügelmodelle verfügen über Martingalstopper, die die Ringe der Martingalgabel daran hindern, an den Zügelschnallen am Gebiss hängen zu bleiben und sich zu verkanten. Zügel werden an den Gebissringen oder bei gebisslosen Zäumen an den jeweiligen Seitenringen befestigt. Das kann mittels Federkarabiner oder Lederschnallen erfolgen.

Die Zügellänge sollte auf die Körpergröße des Pferdes abgestimmt sein. Bei einer zu kurz gewählten Länge, kippt der Reiter vorne über und bleibt nicht im Lot sitzen. Ebenso kann sich das Pferd nicht ausreichend in der Dehnungshaltung nach vorwärts-abwärts strecken. Fallen die Zügel hingegen zu lang aus, kann der Reiter mit der Fußspitze in dem am Pferdehals herunterhängende Zügelende hängenbleiben. Oder der Reiter greift nicht ausreichend nach, sodass Arme und Hände nach hinten oben gezogen werden, um Zügelkontakt herzustellen. Zur Ermittlung der richtigen Zügellänge kann man sich an den Angaben der Hersteller orientieren, die die Zügellängen nach Größe des Pferdes (z.B. Pony, Warmblut) bezeichnen.

Neben geschlossenen Zügeln, die in der klassischen Reitweise typisch sind, gibt es in der Westernszene Splitreins. Das sind Zügel, die in der Mitte nicht miteinander verbunden sind und deswegen als sogenannte Zügelbrücke gehalten werden. Mehr zum Westernzubehör findest du in unserem großen Western-Ratgeber.

Das unterschätze Trensenzubehör: Der Stirnriemen

Mit einem Stirnriemen mit Glitzersteinchen besetzt oder aus glänzendem Lackleder kann man den Trensenzaum optisch aufpeppen. Dabei ist der Riemen über den Augen, der die beiden Backenstücke miteinander verbindet, weitaus mehr als ein hübsches Accessoire. Er hat die wichtige Aufgabe, ein nach hinten Rutschen des Genickstücks zu verhindern, wodurch es auf den empfindlichen Atlaswirbel drücken könnte. Das geschieht besonders dann, wenn das Reithalfter zu locker verschnallt ist und sich die Backenstücke beim Abkauen des Pferdes anheben.

Gleichzeitig darf der Stirnriemen nicht zu eng sitzen, da er sonst das Genickstück von hinten gegen die Ohrwurzeln zieht. Damit würde die Ohrspeicheldrüse abgequetscht, das Kiefergelenk blockiert oder dem Pferd schlichtweg Kopfschmerzen bereitet werden.

Es kommt also beim Stirnriemen auf die richtige Länge drauf an. So misst du die korrekte Länge des Stirnriemens aus:

  • löse den Stirnriemen von einer Seite ab und trense das Pferd auf
  • lege den Riemen um die Stirn des Pferdes
  • das lose Ende des Stirnriemens muss bis zur anderen Seite der Trense reichen, ohne dass man an ihm ziehen muss.
  • Im Zweifelsfall wähle einen längeren Stirnriemen.

Bei Hebelgebissen ist ein Stirnriemen nicht zwingend notwendig. Denn hier werden die Backenstücke und in der Folge das Genickstück durch die Hebelwirkung der langen Gebissanzüge eher nach unten gezogen. Dadurch besteht keine Gefahr, dass das Genickstück angehoben wird und nach hinten verrutscht. Selbiges gilt bei gebisslosen Zäumen, bei denen das Mundstück fehlt, das beim Abkauen des Pferdes die Backenstücke und das Genickstück anheben könnte.

Die Funktion des Sperrriemens

Der Sperrriemen, auch als Kinnriemen bekannt, ist ein kleiner Riemen, der am Englisch Kombinierten oder Schwedischen Reithalfter vor dem Gebiss verschnallt wird.

Im Verlauf seiner Geschichte hat der Sperrriemen unterschiedliche Daseinsberechtigungen erlebt. Obwohl nicht ausreichend durch Bildmaterial belegt, wurde der Sperrriemen zu Zeiten des ersten Weltkrieges verwendet, um die hohen Pferdeverluste durch Kieferbrüche zu minimieren. Schlecht ausgebildete Pferde stürzten schnell und hart und zogen sich tödliche Kieferbrüche zu. Mit einem eng verschnallten Sperrriemen wurde das Aufreißen des Pferdemauls verhindert und der Kiefer damit fixiert. In der Schlacht, wenn der Reiter nicht auf eine sanfte Hand achtete, senkte der stramme Sperrriemen zudem das Verletzungsrisiko des Pferdemauls.

Der Sperrriemen sollte eine aktive Maultätigkeit erlauben

Heute, da Reiter auf eine feinfühlige Zügelverbindung achten und Wert auf eine fundierte und gute Ausbildung des Pferdes legen, hat der Sperrriemen seine ursprüngliche Aufgabe verloren. Dennoch hat er heute noch seine Daseinsberechtigung. Wie damals kann er verhindern, dass das Pferd im Falle eines zu starken Zügeleinsatzes das Maul versperrt – daher sein Name. Das dient dem Pferd auch dahingehend, dass der Kiefer nicht überdehnt oder das Kiefergelenk überfordert wird.

Zusammengefasst kann man festhalten, dass der Kinnriemen dem Pferd dabei hilft, den Kiefer zu entspannen, wodurch die Losgelassenheit gefördert werden kann.

Der Sperrriemen sollte so locker verschnallt sein, dass er ein extremes Aufreißen des Pferdemauls verhindert, jedoch Abkauen, Atmen und Schlucken weiterhin möglich macht. Das wird bei einer korrekten Verschnallung erreicht, bei der sich zwei Finger zwischen Riemen und Nasenrücken (der Knochenbereich) schieben können. Am besten wird beim Schließen den Sperrriemens eine Hand unter den Riemen geschoben, damit man nicht in Versuchung kommt, ihn zu eng zu schnallen.

Das ist zu eng!

Hilfszügel als Unterstützung beim Reiten und Longieren

Hilfszügel sind ein Trensenzubehör, das man vielseitig einsetzen kann. Entweder werden durch den Einsatz von Hilfszügeln Trainingszwecke für das Pferd verfolgt, wobei das Pferd in der Kopf-Hals-Haltung beeinflusst wird. Hilfszügel können aber auch für Reitanfänger eine Unterstützung sein, wenn sie noch an ihrem ausbalancierten Sitz arbeiten und sich nicht auf die Kopf-Hals-Haltung des Pferdes konzentrieren können. Das Pferd wird zudem nach vorne hin begrenzt.

Wir unterscheiden unter anderem Dreieckszügel, Ausbinder und Laufferzügel, die auf verschiedene Weise eingeschnallt werden und damit auch unterschiedliche Ziele verfolgen.

Ausbinder
Dreieckszügel
Laufferzügel
VerschnallungZwei einzelne Riemen
beidseitig an Sattelgurt und Gebissring festgeschnallt;
sollten waagerecht liegen, wenn Pferd korrekte Kopfhaltung einnimmt
Riemen verläuft vom Sattelgurt durch die Vorderbeine, zweigt in zwei Riemen ab, wird durch die Gebissringe gezogen und seitlich am Gurt befestigt. Seitliche Riemen sollten waagerecht liegen, wenn Pferd korrekte Kopfhaltung einnimmtZwei Riemen, als Dreieckszügel oder eine Variation des Ausbinders eingeschnallt werden können
EinsatzzweckLongieren, Handarbeit oder Reitanfänger, die noch in der Sitzschulung sindLongieren, Reitanfänger, die lernen, das Pferd von hinten an den Zügel heranzureitenLösungsphase,
für Reitanfänger, als Longierhilfe
Vorteil
Pferd wird auf beiden Seiten eingerahmtPferd kann den Kopf nicht unkontrolliert nach oben reißen,
eine Vorwärts-Abwärts-Dehnung ist möglich
Vielseitig einsetzbar durch wandelbare Verschnallung, zur Erarbeitung der Dehnungshaltung oder der Aufrichtung gleichermaßen, je nach Verschnallung
NachteilSelbst bei korrekt verschnallten Ausbindern, kann sich das Pferd nicht vorwärts-abwärts dehnen, es rollt sich evtl. ein und fällt auf die VorhandKaum seitliche BegrenzungKaum seitliche Begrenzung, Pferd kann hinter die Senkrechte kommen

Lesetipp: Ratgeber über Hilfszügel

Ausbinder, Dreieckszügel und Laufferzügel sind nur eine beschränkte Auswahl an Hilfszügeln. In unserem Ratgeber über Hilfszügel erfährst du nicht nur, welche Hilfszügel es noch gibt. Wir gehen auch detailliert auf ihre Wirkung, Chancen und Risiken ein und erklären, wie du mit ihnen korrekt arbeitest.

Vorderzeug und Martingal

Primär werden Vorderzeug und Martingal im Spring- und Vielseitigkeitssport eingesetzt. Das Vorderzeug besteht aus einem Brustblatt, das mit einer 3- oder 5-Punkt-Verschnallung am Sattel befestigt wird. Dadurch wird ein nach hinten Rutschen des Sattels verhindert, was besonders über dem Sprung von großem Vorteil ist.

An das Vorderzeug kann die Martingalgabel eingehängt werden. Das Martingal ist ein Hilfszügel, der die Kopfbewegung des Pferdes nach oben hin begrenzt. Erst, wenn das Pferd sich den Hilfen nach oben entziehen will, schlägt das Martingal an. Dafür muss die Martingalgabel eine Länge haben, bei der sie bis zu den Ganaschen reicht.

Steht das Pferd an den Hilfen, hängt die Martingalgabel durch und übt keinen zusätzlichen Druck auf die Gebissringe aus. Erst bei unnatürlich hochgerecktem Hals entsteht ein Knick in der Zügellinie und es wird vermehrt Druck auf das Mundstück ausgeübt.

Hin und wieder wird das Martingal zu den Hilfszügeln gezählt, da es durchaus eine Unterstützung der reiterlichen Hilfen darstellen kann. Denn es kann unruhige Handbewegungen des Reiters abfangen, weshalb sich das Martingal auch für Reiter mit noch unruhigen Händen eignet. Es ist auch darüber hinaus sehr pferdefreundlich, da es dem Pferd die Freiheit lässt, sich vorwärts-abwärts zu dehnen.

Weiche Polsterung der Trense durch Genick- und Nasenschoner

Sie sind nicht nur ein plüschiges oder weiches Extra. Genick- und Nasenschoner aus Lammfell oder Teddyfleece können bei empfindlichen Pferden ein sinnvolles Trensenzubehör sein. Lammfell- und Teddyfleece-Polster sind einer besseren Druckverteilung förderlich und vermeiden damit Druckpunkte und Scheuerstellen. Eine weiche Polsterung nicht nur an Trensenzäumen, sondern auch am Vorderzeug eine sinnvolle Sache.

Lammfell hat noch weitere, vielfältige Eigenschaften, die das Tragen der Trense für das Pferd angenehmer machen. Warum Lammfell darüber hinaus gerne im Reitsport eingesetzt wird, kannst du in unserem Lammfell-Ratgeber nachlesen.

Neben flauschigen Polsterungen gibt es Genickschoner mit eingearbeiteten Keramikfasern. Diese reflektieren die Körperwärme des Pferdes und wirken mit Wärme auf das empfindliche Genick und seine Umgebung. Damit können diese Genickschoner bei der Lösungsphase des Pferdes unterstützend wirken und Verspannungen und Blockaden im Kiefergelenk oder Atlaswirbel entgegenwirken. Eine detaillierte Erläuterung, wie Keramikfasern in Textilien wirken und welche Einsatzzwecke sie im Reitsport genießen, erfährst du in unserem großen Therapie-Ratgeber.