Aufwärmübungen für Reiter

Springreiterin über Hindernis

Wer von euch wärmt sich eigentlich auf, bevor es mit der Reitstunde losgeht? Ich könnte wetten, dass die wenigsten Reiter das tun und ich gebe zu, ich schließe mich hierbei nicht aus. Aufwärmübungen gehören eigentlich in allen Sportarten zum Standardritual vor dem Training. Doch warum wärmen sich so wenige Reiter vor dem Reiten auf und warum wird das Aufwärmen des Reiters nie als Teil der Reitsports in den Reitunterricht aufgenommen? Unsere Pferde reiten wir doch auch anfangs im Schritt warm, bevor wir mit der richtigen Arbeit beginnen. Ich habe es ausprobiert und bin begeistert, wie positiv ein kleines Aufwärmprogramm vor dem Reiten sich doch auf Reiter und Pferd auswirken kann.

AUFWÄRMEN HILFT Reiter UND PFERD

Besonders Menschen, die beruflich einer sitzenden Tätigkeit, z.B. im Büro nachgehen, neigen zu Verspannungen, besonders im Bereich von Schulter, Rücken und Nacken. Meist geht es nach der Arbeit noch zur Reitstunde oder man plant einen entspannten Ausritt mit dem Pferd. Wir müssen uns hier immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass unsere Vierbeiner ein sensibles Gespür haben und unser eigener körperlicher und geistiger Zustand sich auch auf das Pferd überträgt. Bin ich also verspannt und gestresst, nimmt das auch mein Pferd wahr. Seitdem ich jedes Mal vor dem Reiten einige Lockerungs- und Aufwärmübungen mache, merke ich, dass sowohl ich als auch Flair entspannter und gelöster beim Training sind. Auch mein Sitz und die Konzentrationsfähigkeit haben sich verbessert.

Wer sich vor dem Sport aufwärmt, beugt auch Verletzungen vor. Sehnen und Bänder sind beweglicher, unsere Muskeln bereiten sich auf die bevorstehende körperliche Anstrengung vor. Verletzungen wie Zerrungen, Verstauchungen oder Bänderdehnungen kommen seltener vor.

Durch das Putzen und Satteln wärmen wir uns bereits unbewusst auf, unser Körper ist dadurch in Bewegung und kommt langsam auf „Betriebstemperatur“. Wir Reiter sollten daher mit gezielten Übungen besonders darauf achten, Körperteile zu dehnen und zu lockern, die beim Reiten stark beansprucht werden. Ich habe euch einige Übungen zusammengestellt, die man gut im Stall und ohne viele Hilfsmittel machen kann:

RÜCKEN

  • Kirschen pflücken:

Streckt die Arme so weit wie möglich nach oben und geht dabei auf die Zehenspitzen. „Pflückt“ ca. 15-20 „Kirschen“. Wenn ihr möchtet, könnt ihr die Übung auch im Sitzen machen.

  • Kopf nach vorn:

Setzt euch aufrecht hin und neigt euren Kopf nach vorn, sodass das Kinn sich in Richtung Brust bewegt. Bleibt ca. 15 Sekunden in dieser Position, hebt den Kopf wieder langsam an und wiederholt die Übung drei Mal.

NACKEN & SCHULTER

  • Nackenübung – Kopf zur Seite:

Neigt euren Kopf vorsichtig zur Seite und bleibt ungefähr 15 Sekunden in dieser Haltung. Zusätzlich könnt ihr die Dehnungshaltung unterstützen, indem ihr bei der Kopfneigung nach links eure linke Hand aufs rechte Ohr legt und andersherum. Dadurch unterstützt ihr die Dehnungshaltung.

  • Schulterübung – Schulter kreisen lassen:

Um die Muskeln aufzuwärmen, kreist ihr eure Schultern abwechselnd von vorne nach hinten, also einmal die rechte Schulter, einmal die linke Schulter, dann beide gleichzeitig.

ARME

  • Etwas für den Unterarm:

Streckt euren rechten Arm vor den Körper und haltet ihn mit der Handfläche von euch weg gerade auf Schulterhöhe. Die Finger zeigen nach oben. Mit der linken Hand drückt ihr dann die Finger der rechten Hand sanft nach hinten, bis ein leichter Zug entsteht. Die Übung macht ihr abwechselnd auf beiden Armen. 3 Wiederholungen á 20 Sekunden reichen aus.

  • Power für die Arme:

Für mehr Kraft in den Armen sind bekanntlich Liegestütze eine tolle Übung, doch in der Stallgasse gestaltet sich das etwas schwierig. Reitstalltauglich ist die „Light-Variante“ des Liegestützes – der Liegestütz an der Wand.

Dafür die Hände auf Höhe der Schultern etwas weiter als schulterbreit an die Wand legen. Die Ellbeugen leicht anwinkeln. Stellt euch mit ca. 1 Meter Abstand zwischen Füßen und Wand auf die Fußballen und lehnt euch an die Wand. Bewegt euch mit aufrechtem Oberkörper in Richtung Wand und drückt euch dann wieder von der Wand weg. Versucht so viele Liegestütze wie möglich in einer Minute.

Beine

  • Für die Oberschenkel:

Um die Oberschenkelmuskulatur zu bewegen, eignen sich Ausfallschritte nach vorne – sie dehnen die vorderen Muskeln – und auf die Seite – sie dehnen die innere Oberschenkelmuskulatur. Die Dehnung sollte ca. 15 Sekunden gehalten werden.

  • Für die Waden:

Stellt euch nur mit den Fußballen auf eine Treppenstufe und lasst dabei langsam die Absätze in Richtung Boden sinken, bis es leicht in den Waden zieht. Bleibt ca. 15 Sekunden in Dehnungshaltung und löst die Übung wieder auf. Das ganze könnt ihr 3 Mal wiederholen. Für ein besseres Gleichgewicht, haltet euch am besten am Treppengeländer fest.

 

 

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Geschrieben von Svenja

Da haben sich zwei Kämpferherzen gefunden: Svenja und ihre Oldenburger Stute Flair lieben den großen Sport und überzeugen auf jedem Turnier mit Teamgeist und Harmonie. Svenjas Herz gehört (neben Flair versteht sich), der Vielseitigkeitsreiterei. Nach mehr als 15 aktiven Jahren im Turniersport, weiß sie zu den meisten Schwierigkeiten der jeweiligen Disziplinen eine oder mehrere Lösungsansätze. Seit 2011 ist sie bei uns Teil des Kundenservice-Teams, ihre Erfahrungen im Reitsport teilt sie nun auch im Blog mit euch.

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