Hilfe! Mein Pferd lässt sich nicht von der Weide holen!

Pferd auf der Weide

In meiner Reiterkarriere sind mir bisher leider so einige Pferde begegnet, die sich nur äußerst ungern einfangen ließen. Zuletzt stellte uns das neue Pferd einer Stallkollegin vor dieses Problem: Näherte man sich der Stute auf der Koppel, ergriff sie sofort die Flucht und ließ nur sehr schwer einfangen.

Doch woran liegt es, dass sich Pferde nicht von der Koppel holen lassen möchten, und was kann man in einem solchen Fall tun?

URSACHENFORSCHUNG

Zunächst gilt es, den Grund für das Problem ausfindig zu machen: Lässt sich ein Pferd nicht einfangen, kann dies z.B. an fehlendem Vertrauen, einer schlechten Erziehung, negativen Erfahrungen oder Unsicherheit liegen.

Sicherheit ist eines der Grundbedürfnisse des Fluchttiers Pferd. In seiner Herde fühlt es sich sicher und geborgen und trennt sich daher nur ungern von seinen Artgenossen. Fehlt dann auch noch das Vertrauen zu dem Menschen, der das Pferd „nur mal schnell“ zum Reiten von der Koppel holt, kann man dem Tier wohl nicht verübeln, wenn es keine Lust hat, sich einfangen und von der Weide führen zu lassen. Einige Pferde testen außerdem aus, ob der Mensch sich als Führungsperson eignet oder nicht. Wenn das Pferd spürt, dass es dir nicht trauen kann und du kein guter „Anführer“ bist, wird es dir auch nicht folgen.

VERTRAUEN UND RESPEKT ERARBEITEN

Pferd und Mensch bei der Bodenarbeit
Bodenarbeit schafft Vertrauen.

Damit dir dein Pferd vertrauensvoll folgt und dich als Führungsperson respektiert, braucht es Geduld, Fairness und Konsequenz – angefangen beim richtigen Annähern, über den täglichen Umgang, bis hin zur vertrauensfördernden Bodenarbeit, bei dem das Pferd lernt, dass es sich auf dich verlassen kann, weil du ihm auch in „bedrohlichen“ Situationen zeigst, dass ihm nichts geschieht und es sich bei dir sicher fühlen kann. Hier sollte man also ganz an der Basis ansetzen und intensiv an der Beziehung zum Pferd arbeiten, das so bereits beim täglichen Umfang lernt, dem Menschen zu vertrauen und ihm zu folgen.

DEM PFERD RICHTIG NÄHERN

Niemals sollte man von hinten oder frontal auf das Pferd zugehen, sondern sich stattdessen seitlich annähern und das Pferd dabei ansprechen. Einige Meter vor dem Pferd bleibt man kurz entspannt stehen, geht anschließend ruhig weiter, stellt sich neben das Pferd und blickt mit ihm in gleiche Richtung – direkter Blickkontakt sollte vermieden werden. Zur Begrüßung kann man dem Pferd anschließend den Handrücken hinhalten, damit es schnuppern kann.

Doch was tun, wenn das Pferd wegläuft, wenn man sich ihm nähert? In diesem Fall sollte man direkt stehen bleiben und in ganz entspannter Haltung eine Weile verharren, bevor man weiter auf das Pferd zugeht. Das Prozedere wird so oft wie nötig wiederholt, bis das Pferd nicht mehr weggeht. Damit der hart erarbeitete Erfolg dann nicht zunichte gemacht wird, sollte man es erst einmal bei ausgiebigen Streicheleinheiten belassen, damit das Pferd lernt, deine Anwesenheit mit etwas Positivem zu verbinden.

DO’S:

  • Nimm dir Zeit: Ein Fehler, der in der Alltagshektik leider viele machen. Nimm dir wirklich ausreichend Zeit dafür, um dein Pferd in Ruhe von der Koppel zu holen – ohne Hektik!
  • Achte auf deine Körpersprache: Pferde sind so feinfühlig, dass sie dir direkt ansehen, mit welcher Absicht du auf sie zugehst. Achte daher verstärkt auf deine Körpersprache und strahle Ruhe aus.
  • Loben, loben, loben: Bleibt das Pferd entspannt bei dir stehen, kannst du es ausgiebig mit Streicheleinheiten belohnen.

DON’TS:

  • Das Pferd nur zum Reiten von der Koppel holen: Wird das Pferd immer nur zum Reiten von der Weide geholt, verbindet es dies irgendwann automatisch mit Arbeit und Anstrengung. Besuche es stattdessen doch „einfach mal so“ auf der Koppel um es zu streicheln oder nimm es mit in den Stall, um es zu verwöhnen oder mit ihm spazieren zu gehen und es anschließend wieder auf die Koppel zu bringen. So lernt das Pferd, dass dein Erscheinen nicht zwangsläufig bedeutet, dass es sich von seiner Herde trennen, um arbeiten zu müssen.
  • Mit Leckerlis / Futter locken: Dies könnte zum einen zu Futterneid und Streit in der Herde führen, oder man wird von den Vierbeinern „umzingelt“ und hat irgendwann keine Möglichkeit mehr, die Koppel ungestört zu verlassen.
  • Unruhe und Hektik: Vermeide hektische Bewegungen – sonst kann es schnell passieren, dass sich das Pferd von dir abwendet.

 

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Geschrieben von Jule

Pferde sind schon immer ein fester Bestandteil in Jules Leben - seit ihrem 11. Lebensjahr (also gut 17 Jahre) reitet sie nun regelmäßig. Von der klassischen Dressur über Western hat sie ihren Weg zur Working Equitation gefunden und bildet ihren 6-jährigen Westfalen-Wallach Bruno selbst aus. Seit 2015 ist sie bei Krämer für die Pflege des Online-Shops verantwortlich. Außerdem teilt sie in unserem Blog regelmäßig interessante und hilfreiche Tipps rund um den Pferdesport mit euch!

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