Urlaubs-Abenteuer Wanderritt

Wanderreiten

Schon als kleine Pferdenärrin habe ich davon geträumt, auf einen mehrtägigen Wanderritt zu gehen, um den ganzen Tag im Sattel meines Lieblingspferdes verbringen zu können, die Seele baumeln zu lassen und zusammen mit meinen besten Freundinnen die Natur zu erkunden. In diesem Jahr hat sich dieser Kindheitstraum nun endlich erfüllt und es war ein wirklich tolles Erlebnis, das mein Pferd und mich noch enger zusammengeschweißt und allen Beteiligten wahnsinnig viel Spaß gemacht hat.

Doch gerade ein Mehrtagesritt will gut geplant sein, was je nach Route mehr oder weniger aufwendig sein kann –  denn man muss sich nicht nur um eine gut reitbare Strecke kümmern, sondern auch um geeignete Ausrüstung und vor allem natürlich auch um die Verpflegung und geeignete Unterkünfte für Pferde und Reiter.

ANFORDERUNGEN AN PFERD UND REITER

BodenarbeitEin gutes Wanderreitpferd ist absolut sicher und zuverlässig im Gelände und im Straßenverkehr, besitzt eine gute Ausdauer und Trittsicherheit und kommt auch mit unterschiedlichen Bodenverhältnissen zurecht. Es kennt Engpässe, Wasser, Tunnel, Gräben und Brücken und lässt sich überall anstandslos führen und anbinden. Unternimmt man mit mehreren Reitern einen Wanderritt, sollte das Pferd außerdem problemlos in einer Gruppe von mehreren Pferden zu reiten sein – ganz egal ob vorne, in der Mitte, oder als Schlusslicht am Ende der Gruppe. Das alles lässt sich gut vorher üben, beispielsweise bei der Bodenarbeit, dem Antischrecktraining oder Spaziergängen und langen, ausgedehnten Ausritten im heimischen Gelände.

Der Reiter sollte natürlich eine gewisse Sattelfestigkeit besitzen und das Pferd im Gelände in jeder Gangart kontrollieren können – auch in einer Gruppe. Einige von euch besitzen den „Führerschein fürs Gelände“ vielleicht schon, allen anderen kann ich den Deutschen Reitpass nur ans Herz legen, da hier vor allem auch Kenntnisse vermittelt werden, die für das Wanderreiten unheimlich wichtig sind: Das richtige Verhalten in der Natur und im Straßenverkehr, Rechtsvorschriften, Unfallverhütung, Erste HilfeGiftpflanzen, und so weiter.

Der Deutsche Reitpass ist übrigens unter anderem auch Voraussetzung für die Reitabzeichen im Wander- und Distanzreiten.

STRECKENPLANUNG

Zunächst sollte man sich Gedanken über die zu reitende Strecke machen, am besten mit Hilfe einer Karte (Maßstab 1:100.00 bzw. 1:50.000), auf der man das Gebiet grob abgrenzt. Wer nicht so gut im Kartenlesen ist, kann sich jedoch (so wie wir es getan haben) auch mit den gängigen Online-Kartendiensten im Internet behelfen, was auch gut funktioniert hat. Bei der Planung sollte man jedoch bedenken, dass nicht auf jedem Weg geritten werden darf/kann – dies also vorher abklären, damit es keinen Ärger gibt. Informieren kann man sich zum Beispiel bei der Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland e.V. Dort findet ihr übrigens auch ein Verzeichnis von Wanderreitstationen.

Sicher ist sicher: Teilt den „Daheimgebliebenen“ mit, welche Strecke ihr reiten werdet oder gebt Ihnen eine Kopie der eingezeichneten Strecke mit ungefähren Ankunftszeiten. So kann man im Notfall nachvollziehen, in welchem Gebiet ihr euch etwa befindet.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, eine Strecke zu planen: Reitet man einfach vom heimischen Stall aus zum gewünschten Ziel, oder soll es sein Rundritt sein, der am Stall beginnt und auch wieder dort endet? Je nach geplanter Strecke müssen anschließend Tagesetappen eingeteilt werden. Wir entschieden uns für einen Rundritt über eine Gesamtstrecke von ungefähr 80 Kilometern, eingeteilt in 4 Tagesetappen von 20 Kilometern. Im gemütlichen Schritt ist man in weitgehend ebenem Gelände ungefähr mit 5-6 km/h unterwegs, wir rechneten daher mit einer ungefähren Reitzeit von ca. 4 Stunden ohne Pausen. Wir haben ungefähr nach jeder Stunde eine Pause von mindestens 15-20 Minuten gemacht und die Pferde dabei in einem Bach trinken und grasen lassen (und uns dabei natürlich auch selbst ein wenig gestärkt).

VORBEREITENDES TRAINING

Da man auf einem Wanderritt wesentlich länger unterwegs ist als auf einem gewöhnlichen Ausritt, ist es für Pferd und Reiter wichtig, bereits einige Wochen vor dem Ritt mit dem Training zu beginnen, damit Kondition, Muskeln und Ausdauer aufgebaut werden können – schließlich trägt das Pferd auf einem mehrtägigen Wanderritt zusätzlich noch einiges mehr an Gewicht als sonst, und auch für den Reiter ist ein solcher Ritt nach mehreren Stunden im Sattel sehr anstrengend.

Vorbereiten kann man sich, indem man mehrmals die Woche Ausritte macht, die langsam aber stetig in Länge und Dauer gesteigert werden, bis man schließlich bei mehreren Stunden angelangt ist. Dabei sollte man auch längere Trabstrecken trainieren, um die Kondition des Pferdes weiter zu steigern. Neben ausgedehnten Ausritten sollte das Pferd trotzdem nebenbei noch so abwechslungsreich wie möglich beschäftigt werden, zum Beispiel durch Bodenarbeit und gymnastizierendes Dressurtraining.

WIE FINDET MAN SICH UNTERWEGS ZURECHT?

Bevor man sich letztendlich auf einen Wanderritt wagt, sollte man sich zuvor ausgiebig mit Kartenkunde und der Orientierung mit dem Kompass beschäftigt haben, damit man sich gut auf der zuvor festgelegten Strecke zurechtfindet. Alternativ kann man auch GPS-Geräte verwenden und sich über Koordinaten zum Ziel führen lassen – vorteilhaft sind hier besonders GPS-Geräte mit Kartenfunktion. Eine weitere Möglichkeit bietet das Smartphone – allerdings sollte man hierbei beachten, dass der Akku nicht unbegrenzt hält und man vor allem im Wald öfters mal keinen GPS-Empfang hat.

DIE RICHTIGE AUSRÜSTUNG

Praktische, zweckmäßige Ausrüstung ist bei einem Wanderritt ganz besonders wichtig. Meine Packliste für meinen ersten Wanderritt sah beispielsweise wie folgt aus:

Fürs Pferd:

    • TWIN OAKS Packtaschen Big Adventure braunGut passender Sattel mit großer Satteldecke (damit die Packtaschen nicht direkt auf dem Fell aufliegen und durch die Bewegung scheuern können) und das gewohnte Zaumzeug und Halfter (oder alternativ eine Wanderreittrense, aus der das Gebiss ausgeschnallt werden kann)
    • Packtaschen für vorne und hinten sowie eine Bananenpacktasche
    • Putzzeug (mir reicht eine Wonder Brush und ein Hufkratzer vollkommen aus)
    • Erste-Hilfe-Set
    • Abschwitzdecke
    • Möhren oder Äpfel für einen „Snack“ zwischendurch
    • evtl. ein Weidezaun-Set, um unterwegs einen Paddock aufbauen zu können, falls man die Pferde nicht am Hochseil anbinden kann/möchte

 

Für den Reiter:

  • Wanderreitmantel Twin Oaks, chocolateKleidung im Zwiebellook (T-Shirt, Fleecejacke, Outdoorjacke und je nach Witterung ein Regenreitmantel)
  • Atmungsaktive, schnell trocknende Unterwäsche (genügend Wechselunterwäsche mitnehmen!)
    Reithelm oder wasserdichter Hut
  • Feste Schuhe (am besten Trekking- oder Wanderschuhe, mit denen man auch gut zu Fuß ist)
  • Hygieneartikel und Toilettenpapier (vieles gibt es in Drogeriemärkten in kleinen, praktischen Probiergrößen)
  • Sonnen- und Insektenschutz
  • Geldbeutel mit Bargeld, evtl. EC-Karte
  • Taschenmesser
  • Kartentasche, Kompass, GPS-Gerät
  • Ausweis und Equidenpass
  • Handy (am besten mit Powerbank, damit man es unterwegs aufladen kann)
  • LED-Taschenlampe
  • Feuerzeug oder Streichhölzer
  • Langes Seil, an dem die Pferde angebunden werden können
  • Ausreichend Getränke in stabilen, auslaufsicheren Gefäßen
  • Essen, z.B. Müsliriegel

GEEIGNETE UNTERKÜNFTE FINDEN

Wanderreitstationen eignen sich besonders gut als Unterkunft für Pferd und Reiter, da nicht nur der Reiter am Ende des langen Tages ein bequemes Bett und eine Mahlzeit vorfindet, sondern auch die Pferde. Meistens ist im Preis auch das Futter mit inbegriffen, allerdings sollte man zuvor absprechen, ob z.B. auch Kraftfutter gefüttert werden kann. Der Reiter darf sich auf ein reichliches Frühstück freuen und bekommt oft noch ein Lunchpaket mit auf den Weg. Sollte es keine Wanderreitstation in der Nähe geben, gibt es manchmal auch die Gelegenheit, in Reitställen unterzukommen.

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Geschrieben von Evi

Evi ist unser Cowgirl im Blogger-Team. Sie liebt den Western-Lifestyle nicht nur - sie lebt ihn auch! Evi betreibt eine kleine Quarterzucht und kennt sich sowohl mit Aufzucht, Jungpferden und allen Themen rund um Pferdehaltung hervorragend aus. Seit 2014 ist sie als Veranstaltungskauffrau in unserer Eventabteilung tätig und bildet nebenbei Westernpferde aus. Viele wertvolle Tipps u.a. zu Bodenarbeit, Parelli, Join Up und auch Geitners Dualaktivierung gibt sie euch in unserem Blog.

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