Neukunde? Hier registrieren

Gebisse für Pferde

Ratgeber Gebisse

Ratgeber Gebisse und Mundstücke für Pferde


Das richtige Gebiss für sein Pferd zu finden, ist eine Wissenschaft für sich: Die Auswahl ist nahezu grenzenlos und genauso vielfältig wie die „Geschmäcker“ unserer Pferde sind die angebotenen Arten, Materialien und Mundstücke. Bei der Wahl des richtigen Gebisses gibt es viele Faktoren, die beachtet werden sollten, damit eine sanfte Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul hergestellt werden kann.

 

Die richtige Passform


Entscheidend für die korrekte Passform eines Gebisses ist vor allem die Auswahl der richtigen Gebissstärke und Länge.

Früher wurden oftmals sehr dicke Gebisse mit einer Stärke von bis zu 23 mm verwendet, da diese aufgrund der breiten Auflagefläche im Pferdemaul als besonders weich und daher gut für Reitanfänger und junge Pferde geeignet galten. Erst vor einigen Jahren wurde durch Untersuchungen bekannt, wie wenig Platz tatsächlich im Pferdemaul besteht. Seitdem stellt sich allmählich ein Umdenken ein: Es werden vermehrt Gebisse mit Stärken zwischen 14 und 18 mm angeboten, die vor allem für Pferde mit kleineren Mäulern besser geeignet sind als dicke Mundstücke.

 

Da jedes Pferd unterschiedlich ist, lässt sich also nicht pauschal sagen, dass dünnere Gebisse automatisch schärfer wirken als dickere und umgekehrt – zudem kommt es immer auf die Reiterhand an, die natürlich stets so leicht wie nur möglich einwirken sollte.

Die korrekte Gebisslänge lässt sich einfach mit Hilfe eines Gebissweitenmessers ermitteln. Man sollte jedoch bedenken, dass die richtige Länge unter anderem auch von der Art des Gebisses abhängig ist. So sollten Stangengebisse 0,5 cm kürzer als gebrochene Gebisse und Unterlegtrensen 0,5 bis 1 cm größer als das Kandarengebiss gewählt werden.

 

Gebisse für Fortgeschrittene


Vor allem Gebisse, die Anzüge und somit eine Hebelwirkung besitzen, sollten nur von fortgeschrittenen Reitern mit feiner Hand und ausbalanciertem Sitz verwendet werden. Bei falscher Handhabung – egal ob bewusst oder unbewusst – können sie dem Pferd starke Schmerzen zufügen und dürfen keinesfalls als „Notbremse“ für Durchgänger, temperamentvolle oder abgestumpfte Pferde missbraucht werden.

Einem geübten Reiter ermöglichen sie jedoch eine verfeinerte Hilfengebung – dabei setzen sie allerdings ein gut ausgebildetes, durchlässiges Pferd voraus, das die Lektionen bereits auf Trense beherrscht.

 

Wirkung von Kandare & Co.


Anders als gewöhnliche Trensengebisse wirken Gebisse mit Anzügen beim Annehmen der Zügel nicht nur auf Zunge und Laden ein, sondern üben auch einen Druck auf das Genick aus. Verfügt das Gebiss zudem über eine Kinnkette, wie es beispielsweise bei Dressurkandaren und Pelhams der Fall ist, wird außerdem Druck auf den Unterkiefer des Pferdes ausgeübt.

Die Stärke der Wirkung ist dabei abhängig von der Bauweise des jeweiligen Gebisses und richtet sich nach der Länge der Anzüge bzw. dem Verhältnis zwischen Ober- und Unterbaum: Je größer das Verhältnis zwischen Ober- und Unterbaum, desto stärker die Hebelwirkung des Gebisses.

 

Aus diesem Grunde lässt sich nicht pauschalisieren, dass Gebisse mit langen Anzügen besonders scharf wirken. Die Wirkung bei einem Kandarengebiss mit langen Ober- und Unterbäumen tritt erst recht spät ein, während ein Kandarengebiss mit kurzen Ober- und langen Unterbäumen sehr viel direkter wirkt.

Aufgrund des starken Drucks, der mit einem solchen Gebiss ausgeübt werden kann und durch die Hebelwirkung die um ein Vielfaches verstärkt wird, kann es bei starker Zügeleinwirkung sogar zu Unterkieferbrüchen kommen. Daher gehören diese Gebisse nur in die Hand erfahrener Reiter, die damit umzugehen wissen und über eine einfühlsame Hand sowie einen absolut unabhängigen Sitz verfügen.